Das Paläo-Experiment

Paläo – Steinzeiternährung, Essen wie die Neandertaler. Diese Ernährungsform hat in den letzten Jahren einen extremen Boom erlebt. Unzählige Kochbücher, Berichte und Videos zum Thema findet man mittlerweile. Von den Paläo-Befürwortern als der heilige Kral der Ernährung angesehen. Davon wollten wir uns selbst überzeugen und haben ein 7 Tage Experiment gestartet. Eine Woche Paläo-Lifestyle.
Kathrin und Ich ernähren uns eigentlich sehr gesund, sehr ausgewogen und bewusst, also dachten wir passt das sicher ganz gut zu uns und wir können’s ja mal ausprobieren. Wie es uns gegangen ist, was für Vor- und Nachteile sich für uns ergeben und welches Fazit wir aus unserem Paläo-Experiment ziehen, lest ihr im folgenden Beitrag.

Aber mal Schritt für Schritt. Was ist Paläo jetzt eigentlich, worum gehts da genau?! Es geht darum, sich ausschließlich von natürlichen, vollwertigen und nährstoffreichen Lebensmittel zu ernähren und auf der anderen Seite auf Getreide, Milchprodukte und raffinierten Zucker zu verzichten. Also es steht viel Fleisch, Fisch, Nüsse, viel Gemüse und viel Obst auf dem Speiseplan. Klingt gut oder?!

Also eine Einkaufsliste geschrieben und ab zum Supermarkt. Eier, Hühnerfleisch, Speck, Schinken, Garnelen, Thunfisch, Salat, Avocados, Süßkartoffel (die einzig erlaubte Kohlenhydrat-Quelle), Rote Rüben, etc. Vollgepackt gings wieder nach Hause. So ganz glauben konnten wir es nicht, haben wir doch gerade fast 100 Euro für den Einkauf ausgegeben. Wir waren in dieser Woche dann noch 3 mal einkaufen um, frisches Fleisch, Gemüse, Salat und Unmengen an Eiern zu holen. Also billig ist das Ganze nicht, dass kann ich euch schon mal sagen. In Summe sind wir auf etwa 200 Euro gekommen, für zwei Personen, 7 Tage Essen.

Tag 1 – Als erste Mahlzeit haben wir uns mal einen großen Thunfischsalat gegönnt. Das ging leicht. Das essen wir ja auch sonst. Den restlichen Tag, gabs dann Spiegeleier mit Speck, Hühnerpfanne mit Avocado und Süßkartoffel. Und zwischendurch mal ne handvoll Mandeln. Das war also Tag 1. Ja genau das war mein Gedanke, denn irgendwie fühlte ich mich nicht so als, hätte ich heute ausreichend Nahrung zu mir genommen. Obwohl 6 Eier, 150g Speck, 600g Hühnerfleisch, 200g Süßkartoffel, 2 Avocados und der große Thunfischsalat eigentlich nach viel ausschauen. Und genau da sehe ich eine Problematik. Wie soll ein 190cm großer, 90kg schwerer Mann, der sportlich aktiv ist, in der Arbeit auch immer auf den Beinen ist, so zu seinen knapp 3500-4000kcal täglich kommen?! Da müsste ich täglich 1,5kg Fleisch essen, 500g Süßkartoffel, 10 Eier und sicher nochmal 1kg an Gemüse. Kathrin möchte auch nicht in jeder Mahlzeit Fleisch essen und nur mit grünem Salat und Gemüse wird auch sie nicht satt.

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Tag 2 – Kathrin hat nichts gefrühstückt. Musste aber zeitig ausser Haus und war dann lange unterwegs. Zu essen hatte sie nichts vorbereitet. Mandeln hatte sie zwar dabei, aber das war nicht gerade die schnellste Lösung um den Blutzuckerspiegel wieder anzuheben. Dementsprechend ging es ihr. Ihr Kreislauf war im Keller. Sich etwas unterwegs zu kaufen, eigentlich kaum möglich. Aber um nicht umzufallen, musste eine Waffel herhalten. Ist OK. Aber aufgegeben oder das Experiment abgebrochen wird nicht. Aber eine Lösung muss her. Also durchstöbert Kathrin unser Paläo-Kochbuch. Sie findet einen Mandel-Apfel Kuchen. Die Zutaten sind, geriebene Mandeln, Eier, geriebener Apfel, Zimt und Ahornsirup. Klingt gut, geht schnell und schmeckt umso besser. Als „süße“ Zwischenmahlzeit oder als Frühstücksersatz mit frischen Beeren einfach perfekt.

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Tag 3 – nach einem harten Training, hab ich mich eigentlich schon auf mein klassisches Huhn mit Reis gefreut um die leeren Kohlenhydratspeicher wieder aufzuladen. Nein. Eier mit Speck und Paprika, das hatten wir noch nicht. Juhu! Irgendwie merke ich langsam, wie mir die Energie fehlt. Ich bin zwar morgens gut ausgeschlafen, aber fühle mich trotzdem schlapp, als hätte ich einfach nicht genügend Energie in mir.

Tag 5  – Ich muss euch ehrlich sagen, es nervt mich. Täglich steh ich viermal in der Küche um zu kochen. Der Geschirrspüler rennt im Dauerbetrieb. Ja ich liebe Kochen, und ich mach mir gerne alles selber. Aber jeden Tag 2-3 Mal frisch kochen, immer alles vorzubereiten, ist auf Dauer einfach sehr mühsam. Ich bin froh, dass ich momentan nicht arbeite, weil wenn ich mir, zusätzlich noch jeden Tag in der Früh vor der Arbeit mein Essen vorbereiten müsste, würde mich massiv in Zeitdruck bringen.

IMG_5952Gebratener Fisch mit Süßkartoffelpüree & Brokkoli mit Mandeln

Tag 6 – Auswärts essen ist sicher möglich, aber bedarf auch einiges an Vorbereitung und man muss sich vielleicht schon vorher überlegen was es dort zu essen gibt. Steak mit Gemüse ist toll, Fisch mit Gemüse ist auch toll, aber will ich meinen Burger wirklich immer ohne Brot essen müssen?! Eigentlich nicht. Also bleiben wir zu Hause, und kochen mal wieder. Eier vielleicht, das hatten wir schon seit gestern nicht mehr.

Zucchini Laibchen mit Speck

Tag 7 – Am letzten Tag sind wir froh das es in 24 Stunden geschafft ist. Eier können wir eigentlich keine mehr sehen, egal in welcher Form. Das letzte Hühnerfleisch wird verwendet, das restliche Gemüse dazu, ein paar Kräuter und Gewürze. Fertig ist unsere letzte Paläo-Mahlzeit. Lecker wars.

Die Woche ist also um. Wir haben’s bis zum Schluss durchgezogen. Natürlich haben wir das nicht nur zum Spaß gemacht, obwohl der natürlich auch dabei war. Aber wir haben viel drüber geredet, beobachtet, bewusst in unseren Körper hineingehorcht und uns echte Gedanken dazu gemacht. Wir haben Vor- und Nachteile abgewogen und sind zu folgendem Ergebnis gekommen.

Vorteile

  • Hoher Protein-Anteil in der Ernährung, hoher Anteil gesunder Fette
  • sehr nährstoffreich durch hochwertige Lebensmittel und viel Gemüse und Obst
  • Ungesunde Snacks gewöhnt man sich ab (der Griff zur Schokolade, das Müsli in der Früh)
  • Heißhungerattacken bleiben weitgehend aus – durch einen stabilen Blutzuckerspiegel
  • Man fühlt sich nach dem Essen nicht so vollgefressen, aber doch satt
  • Für Diätphasen geeignet um noch ein paar Kilo loszuwerden

Nachteile

  • hoher Kostenfaktor, frische Lebensmittel kosten Geld, man muss öfter zum Supermarkt weil man oft Nachschub an Frischfleisch und Gemüse braucht
  • sehr zeitintensiv, jeden Tag vorkochen, in der Küche stehen und selber machen
  • Für sportlich hochaktive Menschen eher ungeeignet, weil einfach die schnellen Kohlenhydrate fehlen, die der Körper braucht um seine Speicher wieder aufzuladen
  • Unterwegs schwierig was zu Essen zu finden, das wirklich 100% Paläo-gerecht ist

Unser Fazit

Wir sind keine Fans von Ernährungsformen die dir etwas verbieten und bei Paläo wird dir ne ganze Menge verboten. Wir ernähren uns mit Sicherheit sehr gesund und ausgewogen, haben einen hohen Proteinanteil in unserer Ernährung, essen viel Obst und Gemüse. Aber ab und zu gönnen auch wir uns mal einen Burger oder ne Pizza, essen Abends ne riesen Portion Nudeln oder Reis. Der gesundheitliche Aspekt ist sicher gegeben, aber ob die Paläo-Ernährung tatsächlich Krankheiten heilen kann, wie die Befürworter und „Erfinder“ dieses Lifestyles erklären, können wir nach einer Woche nicht sagen. Was wir aber sagen können, ist, dass es für uns im Alltag auf Dauer zu schwierig zum Umsetzen wäre, weil wir nicht jeden Tag Zeit haben, 3-4 mal zu kochen und alles vorzubereiten. Auch der Kostenfaktor ist ein großes Thema für uns, und dauerhaft für uns nicht möglich.

Was wir in Zukunft aber sicher machen werden, ist ab und zu mal einen Paläo-Tag einzuhalten und einfach mal keine Kohlenhydrate zu konsumieren. Im Prinzip haben wir schon oft Paläo-Gerichte gekocht und gegessen, waren uns dessen vorher aber nicht so bewusst.

Wir können nur allen empfehlen, probiert ernährungstechnisch einiges aus, findet euren Weg, der euch Spaß macht und der euch gut tut und vor allem schmeckt. Legt euch keine Verbote auf, kasteit euch nicht selber und enthaltet euch bis zum geht nicht mehr. Experimentiert, kocht allein oder mit Familie/Freunden und genießt. Eine ausgewogene Ernährung, die gesund ist und schmeckt ist wohl das Beste, für euch und euren Körper. Geht bewusst einkaufen, verwendet weitgehend unbehandelte Lebensmittel, kauft regionale und saisonale Produkte ein.

Viel Spaß und guten Appetit!

Eure Kathrin und Euer Flo

Paläo Buchempfehlung: Nahrung als Medizin – Mag.Dr.Markus Stark MSc.

 

 

 

 

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