Ich und mein Haus

Der Wind bläst mir die Haare ins Gesicht, es kümmert mich nicht. Mein Blick bleibt nirgendwo speziell hängen. Viel zu viel gibt es hier zu entdecken. Ein saftiges grün überzieht die Berge. Mit teilweise rötlichen Vulkan Gestein. Der Himmel in babyblau getaucht. Während wir die Bergstraße hinauf fahren, strömt mir durch das offene Fenster, frische Waldluft in die Nase und füllt meine Lungen.

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Ich befinde mich in Nals. Eine kleine Ortschaft zwischen Meran und Bozen, an der Südtiroler Weinstraße gelegen. Eingebettet zwischen Wein- und Apfelgärten. Gerade eben kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen, als hier zu sein. Mit hier meine ich genau, in Sirmiano, auf fast 1000m. Zwischenstop Hotel Jäger, das letzte Zimmer noch spontan bekommen.
Nach einer einfachen aber leckeren Brettljausen sitze ich nun im Schaukelstuhl mit Blick auf das Tal und die Berglandschaft.

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Im Süden die Anfänge der Dolomiten, im Nordosten sieht man den Granitkegel der Ifingerspitze, im Norden erhebt sich die Texelgruppe, im Nordwesten erblickt man die Laugenspitze und westlich setzt sich der schützende Mendelrücken fort.

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Unter mir unzählige kleine rote und grüne Apfelbäume und gleich darunter die beiden zutraulichen Hirsche. Da bin ich wie ein kleines Kind. Vor allem, wenn ich so scheue Tiere, in ihrem genügsamen Sein, beobachten kann. Zauberhaft. Eindrucksvoll und zugleich mächtig. Schöne Wesen. Das stolze Geweih und die süße Zeichnung des Felles.

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Ich frage mich ob die Menschen an diesen wunderschönen Ort unglücklich sein können. Ob ich hier glücklich sein könnte. Nach vier Stunden Fahrt fühlt es sich in Nals schon mehr nach Heimat an. So sehr ich die Ferne liebe, und schön die Zeit in der Toskana war, so unglaublich groß ist die Sehnsucht nach der Heimat. Und hier, in Südtirol, fühlt es sich heimatlich an. Ein Mix aus Italien und Österreich. Die Ortsschilder sind in Deutsch und Italienisch. Auch die Menschen sprechen beide Sprachen. Endlich versteht man mich wieder. (Ich spreche noch kein Italienisch, aber was nicht ist, kann noch werden!)
Meine Gedanken kreisen und ich muss schmunzeln. Immer noch passiert es mir, dass wenn ich nach Gablitz zu meinen Eltern fahre, ich von zuhause spreche. Ich fahre nach Hause. Doch tatsächlich wohne ich mit Flo bereits 1 ½ Jahre in Wien. Auch er spricht immer wieder von zuhause, wenn es um sein Elternhaus geht. Ich frage mich, wann sich das wohl ändern wird. Irgendwie witzig. Aber so ist es nun mal und zur Zeit hab ich halt zwei örtliche zuhause. Eigentlich auch schön. Einzigartig.

Weil wir gerade von Heimat sprechen, lasse ich mir das Wort „Heimat“ auf der Zunge zergehen. H e i m a t. Klingt sehr patriotisch. Stolz. Vertraut. Gesellig. Wenn ich an die Heimat denke, breitet sich immer ein warmes Gefühl in meiner Herzgegend aus. Ein beruhigendes,friedvolles Gefühl. Ich genieße den Moment.

Wien ist mir oft zu „viel“. Zu viele Menschen. Zu laut, zu dicht, zu schnell. Und bin ich dann mal weg, sehne ich mich nach dieser Stadt. Verflixt und zugenäht aber auch. Diese Hassliebe :)! Es ist nicht so das ich Menschen vermisse. Ich weiß das ich immer zurück kann und das es allen gut geht die mir lieb sind. Und, das Dank der heutigen technischen Entwicklung, immer Kontakt zu Familie und Freunden möglich ist.

Aber vor allem tut es MIR gut weg zu sein. Die Entfernungen zu vergrößern. Mir Raum zu nehmen und Luft zum Atmen. Gedanken zu ordnen und vielleicht ein wenig Klarheit zu schaffen. Zu mir zu kommen. Ach ja und Atmen, immer dieses Atmen. Hat mir schon so oft durch Situationen geholfen. Jaja..

Also. Heimat. Was bedeutet das für mich? Bin ich nicht immer zuhause? In mir, in meinem Körper? Das ist doch mein „Haus“. Auf das ich acht gebe, das ich umsorge und pflege. Dem ich Gutes tue, denn es trägt mich durchs Leben. Mein Leben. Und bis jetzt hab ich‘s ja schon recht gut geschafft. Ich hab‘s ganz gut mit mir. Allein. Auch nur mit mir. Und deshalb genieße ich noch einmal, mit einem bewussten tiefen Atemzug, diese traumhafte Aussicht und den glückseligen Moment mit mir selbst. Bevor ich nun doch wieder langsam ins Hotel gehe, zu den Menschen. Noch einmal, nur mit mir und meinem Haus.

LOVE

Kathrin

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Ein Kommentar zu „Ich und mein Haus

  1. Liebe Kathrin,
    das ist wirklich ein total toll geschriebener Text. Es klingt nach einem traumhaft schönen Ort… der dir sehr gut tut. Ich bin auch der Meinung, dass man sich immer wieder einmal eine kleine Auszeit mit viel Ruhe und Zeit zum Atmen nehmen sollte. Dann ist man wieder fit und energiegeladen für den Alltag.
    Viele liebe Grüße,
    Jana Kim

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