Keiner hat uns davor gewarnt

Wie war das früher einmal? Ich meine, als es noch keine Handys gab? Als man sich zu zweit verabredete, um sich auszutauschen und einander zu zuhören? Auf jeden Fall nicht wie heute, denn da gibt es immer mein Gegenüber, mich und die ganze virtuelle Welt zwischen uns. Ich erinnere mich nicht mehr, an die Zeit ohne Mobiltelefon. Und das macht mich nachdenklich!

„Erlaube dir auch einmal nicht erreichbar zu sein.“ – Pierre Franckh

Informationsflut

Wir leben in einer technologisch hoch entwickelten Zeit. Und wie immer, hat alles seine Vor-und Nachteile. Es ist wirklich unvorstellbar, dass ich meine Freundin in Frankreich anrufen bzw. sie über Skype sogar „sehen“ kann. Das führt uns alle näher zusammen. Nachrichten sind innerhalb weniger Minuten weltweit im Umlauf. Diese Schnelligkeit der Informationsverbreitung kann ich mir zu Nutzen machen, für Recherchen oder Ähnliches. Sie kann mich aber auch regelrecht Überschwemmen. Ist eine Nachricht draußen, ist sie auch schon wieder alt, denn es kommt sofort eine brandneue nach.

elektronische-vielfalt

Ein Teufelskreis. Und wer kennt es nicht: man muss bis zum letzten Post scrollen, um halbwegs beruhigt das Handy wieder beiseite legen zu können. Oder der doppel Check: wenn das Handy längere Zeit nicht mehr gebrummt hat, besorgt nachzusehen, ob nicht doch eine Nachricht reingekommen bzw. das Telefon auf Empfang ist. Wie war das früher? Ich erinnere mich nicht mehr.

Wem schenke ich meine Aufmerksamkeit

Ich und mein Smartphone, uns gibt es nur noch im Doppelpack. Vielleicht finden einige dieses Verhalten als ganz normal, weil sie sich bereits daran gewöhnt haben, dass Handy immer und überall hin mitzunehmen und es heute nun mal einfach zum Alltag dazu gehört. Ohne Handy fühlen wir uns allein gelassen oder gar „nackt“.
Aber ich persönlich, möchte meine Zeit, welche ich mit meinen Mitmenschen verbringe, mit voller Aufmerksamkeit erleben. Im Moment sein, Dinge bewusst genießen, denn meistens gibt es nichts wichtigeres als das Jetzt!

„Nähe entsteht, wenn wir alles andere für einen Moment vergessen und beiseiteschieben.“
– Pierre Franckh

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Auch in meiner Partnerschaft ist das Handy ein ständiger Begleiter. Und das finde ich schade! Denn gerade die Momenten mit meinen Liebsten sollte ich doch voll und ganz genießen. Es ist einfach verletzend, wenn man seinen Gegenüber das Gefühl gibt, etwas/jemand anderes ist jetzt gerade wichtiger. Wie war das früher? Ich erinnere mich nicht mehr.

Kommunikationsstress

Wir sind nicht multitaskingfähig. Das ist nämlich ein großer Irrglaube und keines Falls eine Meisterleistung. Sich so zu zerstreuen, dass man 3 Dinge zur gleichen Zeit erledigen kann, ist besten Falls der sichere Weg Fehler zu machen. Keine der Tätigkeiten wird aktiv und bewusst ausgeführt. Da kann es schon mal passieren, dass man telefonierend die Türe zusperrt und später nicht mehr weiß, ob die Türe nun tatsächlich versperrt ist. Zusperren kostet 3 Sekunden meiner Zeit. Die Sorge um die nicht versperrte Türe, kostet mich den ganzen Tag meine Nerven. Und so ist es auch bei Gesprächen, in denen das Mobiltelefon immer wieder ablenkt. Wir zerteilen unsere Aufmerksamkeit und der Aufmerksamkeitspegel sinkt beträchtlich! Wie war das früher? Ich erinnere mich nicht mehr.

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Das getippte Gespräch

Briefe, Emails, Sms, Whatsapp, Telegram, Hangout, Facebook, Xing, Twitter, Instagram und wie sie nicht alle heißen, die Vielfalt der Kommunikationskanäle ist so groß wie nie zuvor. Das macht mich regelrecht schwindelig. Keine Frage, einige Programme sind lebenserleichternd und praktisch um auch weltweit überall erreichbar zu sein. Aber desto komplizierter wird ebenso die Frage, welche Kontaktmöglichkeit nutze ich für welchen Anlass oder Gesprächspartner. Das zerreist mich persönlich wieder. Ich muss genau wissen wo ich was schreiben darf und welche Bilder ich zum Beispiel poste. Geht es um Geschäftliches, muss ich sicherstellen, dass meine Nachrichten für keinen Dritten zugänglich sind. Aber woher weiß ich genau, wem ich noch trauen kann?
Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten schenken eine gefühlte Autonomie, im Gegensatz zum Telefonieren. Auf den ersten Blick vielleicht. Denn ich kann entscheiden wann und wie ausführlich ich reagiere. Ohne Zeit- und Antwortdruck. Mein Gegenüber sieht das wahrscheinlich anders… Die Erwartungshaltung ist groß, denn er sieht mittlerweile bei den meisten Nachrichtendiensten, wann die Nachricht empfangen und gelesen wurde. Der ein oder andere fühlt sich verpflichtet umgehend zu Antworten, weil er weiß, da wartet jemand und wir möchte ja niemanden enttäuschen. Ein innerer Zwiespalt entsteht. Bei keiner sofortigen Rückmeldung denkt sich mein Gegenüber unter Umständen:

  • Was ist los?
  • Mag mich der andere nicht?
  • Gefühle von Ärger, Frust, Traurigkeit, Verunsicherung, Nervosität kommen auf

Aber vielleicht kann der andere gerade nicht antworten weil er in einem Meeting, auf einem Date oder beim Essen ist, vielleicht schläft er auch bereits oder das Handy hat keinen Akku mehr. Was auch immer es ist. Es erzeugt Stress, wir erzeugen uns unnötigen, zusätzlichen Stress. Ich kann mich allerdings bewusst dafür entscheiden, ob ich dem Handy solche Macht über mich gebe. Und darüber sollte sich jeder einzelne seine Gedanken machen.

Wir werden getrieben in eine sich kontrollierende Welt, in der ich keinen Schritt mehr machen kann, ohne das dieser irgendwo aufgezeichnet wird. Dass macht mich nachdenklich. Möchte ich das? Möchtest du das?
Ich möchte mit diesem Post keine Diskussion gegen die Vielfalt der Kommunikation starten, sondern zu mehr Bewusstsein motivieren, vor allem gegenüber den derzeitigen und weiteren technologischen Entwicklungen.

Danke für deine wertvolle Zeit, dir meine Worte durchzulesen. Denn ich erinnere mich nicht mehr wie es früher mal war, erinnerst du dich?

LOVE

Kathrin

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5 thoughts on “Keiner hat uns davor gewarnt

  1. Kathrin, du schreibst mir von der Seele! Ich erinnere mich sehr wohl an die Zeit davor. Vorallem jetzt, wo ich mein „altes“ iPhone 3 wieder aktiviert habe, weil mein neues Smartphone eingegangen ist. Ich habe keine Apps installiert, kann damit nur telefonieren, SMSen, im Notfall navigieren und sehr langsam Internetsurfen. Und es tut sehr gut, nicht immer erreichbar zu sein und eher die Menschen anzurufen als zu texten – weil das Gerät so langsam ist, dass das SMS-Schreiben echt nervig ist! ;) Mehr Bewusstsein, das ist es worauf es ankommt!

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    1. Hey – Danke für deinen Kommentar Alex! Ich finde es schön das auch mehr Leute das so sehen wie wir, sich weniger abhängig machen wollen von technischen Geräten und es völlig in Ordnung ist, mal nicht 24 Stunden am Tag erreichbar zu sein! Bewusstsein schaffen für das Leben was direkt rund um uns passiert und nicht in einer digitalisierten Welt!

      Lg Kathrin (und Flo) ;-)

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  2. ich muss sagen, ich erinnere mich auch nicht mehr wirklich daran, wie es in den zeiten vor dem smartphone war – dabei gibt es das doch noch gar nicht so lange. google nicht in der handtasche zu haben – mittlerweile fast unvorstellbar. dennoch ist es meistens so, dass die besten abende/zeiten/stunden die sind, in denen das handy einfach in der tasche bleibt, weil der moment wichtiger ist.

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