Fleischlos

Im vergangen Sommer ist etwas passiert. Ich meine mit mir und meiner Denkweise. Es gab da diesen einen Moment, wo ich plötzlich zum Nachdenken begann. „Vielleicht ist es doch nicht so verkehrt auf Fleisch zu verzichten? Was tun wir Meschen da eigentlich, in dem wir all diese Tiere töten? Muss das so sein?“
Wie sie sich meine Gedanken verändert haben, was schließlich dazu geführt hat das ich mich vier Wochen fleischlos ernährt habe und welche Erfahrungen ich in der Zeit machen durfte, erzähle ich dir im heutigen Blogbeitrag.

Vegetarisch zu leben oder gar Vegan, kam für mich als Heavy-Fleischkonsumenten niemals in Frage. Zumindest dachte ich das immer.
Tag ein Tag aus gab es Fleisch bzw. Fisch am Teller. Ob Huhn, Rind, Lachs oder Thunfisch,  irgendwas tierisches musste immer dabei sein. Ich hatte gelernt, Fleisch ist gesund und ich brauche es in meiner Ernährung. Mein festgefahrenes Denkmuster, welches uns schließlich auch fast überall suggeriert wird. Fleisch bringts!

Ich war selber immer ein harter Gegner von pflanzlicher Ernährung, habe das überhaupt nicht verstanden. Endlose Diskussionen geführt. Ich lies keine andere Meinung zu. Blieb bei meinem Standpunkt. Hartnäckig und stur.

Der Weg zum Vegetarier

Aber zurück zum Anfang. Sommer 2016, Südtirol. Wir haben eine Nacht in einem Berggasthof verbracht. Mit tollem Blick auf Bozen und Meran. Dort gab es dieses riesige Gehege mit Rehen und Hirschen. Ich liebe Tiere. Mein ganzes Leben lang war ich in Berührung mit Tieren. Sei es im Familienurlaub am Bauernhof oder meine eigenen Haustiere. Und auch dort, nahm ich mir die Zeit, die Tiere ein wenig zu beobachten. Und als ich da stand und auf die Rehfamilie hinabblickte, bemerkte ich, wie sie mich alle anstarrten. Ruhig und gelassen saßen sie da. Anmutig beobachteten sie mich.

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Und in meinem Kopf passierte etwas. Ich fragte mich zum allerersten mal ganz bewusst. „Warum sind wir Menschen so grausam und töten diese wundervollen und harmlosen Tiere?!“ Nur damit wir daraus, Wurst und Schinken machen können. Ich war ein wenig erschüttert und traurig zugleich.
Schon damals hab ich beschlossen, meinen Fleischkonsum ein wenig zu reduzieren. Ein wenig wohlgemerkt, aber doch merklich. Und es fühlte sich gut an. An eine größere Veränderung hab ich damals aber noch nicht gedacht…

Die folgenden vier Monate, hat sich dahingehend auch nicht viel getan. Ich hab gelegentlich auf Fleisch verzichtet, aber das war’s auch schon. Meine neue Arbeit in einem Steakhaus, hat auch nicht wirklich dazu beigetragen, meinen Fleischkonsum weiter zu reduzieren.
Aber die Stimmen in meinem Kopf wurden lauter. Ich hab mir immer mehr Gedanken gemacht. „Ist das wirklich der richtige Weg auf dem ich da unterwegs bin?! Will ich weiterhin dafür sorgen, dass Tiere auf unwürdige Art und Weise leben und sterben?!“
Trotzdem fehlte mir die letzte Motivation etwas zu ändern. Dieser eine Schritt, es doch einmal zu probieren. Irgendwas musste noch passieren…

Nach Weihnachten, war ich dann mal wieder in einem der größeren Supermärkte in meiner Umgebung einkaufen. Es war kurz vor Geschäftsschluss und die letzten Menschen füllten ihre Einkaufswägen mit Nahrungsmittel. Ich wollte nur noch schnell ein paar Dinge besorgen. Hetzte von einem Gang zum Nächsten…
Und dann komme ich zu den Kühlregalen. Eine schier endlos lange Reihe. Alles voll mit Wurst, Fleisch, Schinken und Speck. Alles voll. Bis zum Rand gefüllt.
Das hat mich wütend gemacht. Traurig. Nachdenklich. Ist das wirklich notwendig hab ich mich gefragt?! Müssen diese Regale um diese Zeit so voll sein und warum sind die das eigentlich?! Dieses unglaubliche Überangebot, so viele verschiedene Marken und Produkte. So viel, dass nicht mal genug Menschen hier einkaufen gehen, um diese Regale leer zu bekommen. Und sollte doch mal wieder etwas zur Neige gehen, wird sofort wieder nach geschlichtet.
Wie viele Tiere müssen sterben, nur damit diese Regale voll sind und damit es gut aussieht?! Wie viele Tiere davon unnötiger Weise?! Wie viele davon müssen unwürdige Lebenssituation erdulden, um am Ende, nach kurzer Mastzeit, einen qualvollen Tod zu erleiden?!
Das Märchen vom sanften und stressfreien Tod und artgerechter Schlachtung gibt’s nämlich nicht überall.

An diesem Tag habe ich beschlossen eine Zeit lang vegetarisch zu leben. 30 Tage um genau zu sein. Für mich, einen Hardcore Fleischesser, vor Monaten noch undenkbar. Aber dieser Gedanke manifestierte sich zunehmends in meinem Kopf, bis er schließlich umgesetzt wurde.
Kathrin war sofort mit dabei. Ist diesen Weg mit mir gemeinsam gegangen. Wir haben das zusammen durchgezogen und darüber bin ich sehr froh. Sie war überrascht, so wie viele Menschen rund um mich, dass dieser Impuls von mir ausgeht. Ich und fleischlos leben?! Niemals! Doch Menschen ändern sich. So auch ich.

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Ein typischer proteinreicher Einkauf – Seitan, Tofu, Falaffel, Lupinen

Persönliche Gedanken, 30 Tagen Vegetarier

Ich schreibe diese Zeilen, am letzten Tag, meiner 30 Tage Veggie-Phase. Und wie geht es mir!? Was sind meine Gedanken dazu?! Meine Erfahrungen?!

Zu allererst muss ich sagen. Es ist mir leichter gefallen als gedacht. Aber ich bin von Grund auf ein sehr konsequenter und disziplinierter Mensch. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann mache ich das auch und zieh es bis zum Ende durch. Natürlich gab es Momente in denen ich mir dachte „ah, ein Stück Fleisch wäre jetzt schon was feines“. Aber dann erinnerte ich mich, warum ich damit angefangen habe. Warum ich das ganze mache. Ich will Tierleid vermeiden. Für mein Essen, soll ein Monat lang kein Tier sterben müssen. Das war meine Hauptmotivation. Das hat mich angetrieben und durchhalten lassen.
Ich nehme Essen auch plötzlich wieder ganz anders wahr. Ich verwende Lebensmittel die ich vorher nicht verwendet hätte. Und auch die Fleischersatzprodukte zu verwenden war eine neue großartige Erfahrung für mich. Es gibt mittlerweile eine sehr breite Auswahl und qualitativ hochwertige Produkte. Natürlich, und das muss ich an dieser Stelle schon erwähnen, hat das ganze seinen Preis. Aber was sind schon ein paar Euro mehr, wenn dafür kein Tier qualvoll sterben muss?!
Ich stehe wieder richtig gerne in der Küche, probiere neue Dinge aus, experimentiere. Der Spaß am kochen ist wieder entflammt. Raus aus dem Hamsterrad, wo ich jeden Tag das gleiche Esse, es jeden Tag gleich schmeckt und ich nichts, rein gar nichts verändere, geschweige denn mal was neues probiere!

Tian Bistro, am Spittelberg 1070

Kathrin und ich waren in dieser Zeit auch öfters mal essen. Vegetarisch oder sogar Vegan. Habe ich früher immer einen weiten Bogen um solche Restaurants gemacht, sehe ich das Ganze jetzt völlig anders. Gehe sogar gerne hin. Es ist eine neue kulinarische Erfahrung für mich. Ich komme in den Genuss von völlig neuen Lebensmitteln, die unglaublich gut zubereiten kann. Die Vegetarische Restaurantlandschaft in Wien, wird zunehmends dichter und findet mehr und mehr Anhänger. Um hier einige zu nennen. Tian-Bistro, Veggiezz und Swingkitchen. Alle sehr zu empfehlen!

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Veganer Brownie und Avocado Schokomus mit einem Cappucino mit Kokosmilch
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Lupine Burger mit Süßkartoffeln. Im Veggiezz am Salzgries 1010

Zukunftsgedanken

Was konnte ich mir in den Wochen mitnehmen? Was sind die nächsten Schritte? Wohin soll die Reise nun weiter gehen?
Ich werde meinen Fleischkonsum sicher drastisch minimieren. Bewusster einkaufen. Kein Fleisch aus Massenproduktion mehr. Immer mit dem Hintergedanken, dass für mein Essen kein Tier unnötige Qualen erleiden soll. Ich kann mir sogar gut vorstellen, längerfristig vegetarisch zu leben. Echt jetzt?! Habe ich das gerade wirklich gesagt?! Ja habe ich!
Es tut mir gut, ich habe das Gefühl dass es mir an nichts fehlt. Ich fühle mich fit und munter. Natürlich bin ich nicht der Mensch der so etwas komplett blauäugig und ohne nachdenken macht. Und das würde ich auch niemandem raten. Einfach mal kurz überlegen, was der Körper braucht und was er vielleicht nicht ausreichend bekommt und dahingehend vorsorgen. Dann können auch keine Nährstoffmängel entstehen. So einfach kann es sein.
Der Schritt zur veganen Lebensweise, kann ich mir augenblicklich nicht vorstellen. Zu sehr mag ich einfach Milch, Käse und vorallem Eier.

So generell würde ich mir wünschen, wenn die Menschen anfangen würden, ein wenig bewusster auf ihren Fleischkonsum zu achten. Zu schauen woher es kommt. Zu hinterfragen und nachzudenken. Es muss nicht jeder gleich zum Vegetarier werden, dass sag ich nicht und ich glaube auch nicht, dass es die Lösung aller Probleme ist, aber ich denke es kann helfen, Tierleid zu reduzieren. Und um das geht es mir primär und ist meine anhaltende Motivation, weiterhin, großteils vegetarisch zu leben und meinen Fleischkonsum auf ein verträgliches Minimum zu reduzieren. Und wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht mache ich den Schritt irgendwann und ernähre mich ausschließlich vegetarisch. Die Tiere wären darüber sicher dankbar.
Und wer einmal in die Augen eines Tieres geschaut hat, es gestreichelt hat, ja vielleicht sogar eine emotionale Bindung aufgebaut hat und sich in das Lebewesen hinein versetzt, der versteht womöglich, warum ich den Schritt getan habe, fleischlos zu leben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich, Mahlzeit.

Euer Flo

Hier die Links zu den von uns besuchten Restaurants:

Tian-Bistro
Swing Kitchen
Veggiezz
Maschu-Maschu

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2 thoughts on “Fleischlos

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